In der Region Luc Yen im Norden Vietnams erlebte der Edelsteinabbau – hauptsächlich von Rubin, Saphir und Spinell – in den mittleren 1990er Jahren einen Boom, aber schon seit den späten 2000er Jahren sind Rubine in facettiertbarer Qualität selten geworden. Dies liegt offenbar am fehlenden Zugang zu geeigneter Ausrüstung, und der Abbau beschränkt sich typischerweise auf kleinmaßstäbliche Grabungen an leicht zugänglichen sekundären Lagerstätten nahe der Oberfläche. Eine der wichtigsten Primärquellen für Rubin, Saphir und Spinell in der Region ist Marmor, und bisher wurden nur wenige solcher Hartgesteinslagerstätten erschlossen. Die Produktion aus diesen Minen besteht typischerweise aus kleinen Matrixstücken von Rubin im Marmor, die auf dem lokalen Markt häufig als Sammlerexemplare angeboten werden.
Während einer gemmologischen Exkursion nach Luc Yen im März 2015, zeigte uns ein örtlicher Bergarbeiter (Herr Van Khiem Vu) mehrere große Marmorproben mit Rubin-Kristallen, die von ihm und seinen zwei Brüdern gewonnen wurden. Die beeindruckendste Probe wog etwa 400 kg und wurde aus einem zweitonigen Marmorblock geschnitzt, der im Spät 2014 gefunden wurde.
Herr Vu und sein Rubinmatrix-Exemplar, 2015.
Die Marmorprobe enthielt dichte Cluster von Rubin-Kristallen, von denen mehrere eine gute Transparenz besaßen und bis zu 4–5 cm lang waren.
Der Abbau erfolgt durch Bohren und Sprengen, und anschließend werden die Rubin-Kristalle sorgfältig aus dem Marmor mit einfachen Werkzeugen wie Hammer, Meißel und Raspel freigelegt. Die Bearbeitung des gezeigten Exemplars dauerte mehr als zwei Monate.
Im April 2026 während unserer neusten Exkursion konnten wir das Exemplar wiedersehen, welches sich jetzt allerdings im Besitz des größten Edelsteinunternehmen Vietnams befindet.
Dr. Thi Königshof-Le & Dr. Peter Königshof
In dem Exemplar sind mehrere Rubin-Kristalle mit hoher Transparenz zu sehen.
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